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Die wichtigste Vorbereitung stellt in meinen Augen dar, die Angst vor der Digitalisierung und den Veränderungen zu nehmen und diese als Chancen zu erkennen.

Marion Günther

Marion Günther ist Digitalexpertin durch und durch. Als Director of Product bei Gini ist sie in einer verantwortungsvollen Position.

1.) Erzähl uns doch einmal kurz ein paar Sätze über dich und deinen Werdegang. 

Nach meiner behüteten Schulzeit habe ich mich entgegen aller Zurufe meines Umfeldes für das Studium der Informatik entschieden. Eine Entscheidung, die mich bis heute tief geprägt hat, nicht nur auf der fachlichen Ebene. Umgeben zu sein von veralteten Ansichten, insbesondere was Frauen in der IT damals anging, anzukämpfen gegen Vorurteile und der Wunsch, mich selbst zu beweisen, haben mich zu Höchstleistungen angetrieben.
Nach dem Abschluss bereicherten Stationen wie Consulting, Strategie und Sales bei namhaften Firmen dieses Wissen mit dem notwendigen Touch Realität.
Insbesondere die Täler der Tränen haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin – um vor einigen Jahren festzustellen, worauf es wirklich ankommt.

2.) Was macht eine gute Schulbildung für dich aus? 

Eine gute Schulbildung bereitet den Schüler auf das Leben vor. Nicht, indem er alle Hauptstädte der USA aufzählen kann, sondern dadurch, dass er gelernt hat, zu lernen. Dass er weiß, wie er verschiedene Fakten zu einer guten Entscheidung verwendet. Was Logik und Strategie sind. Dass man nicht gleich aufgeben darf, sondern sich manchmal durchkämpfen muss. Und dass das Menschliche bei allem Streben nach Erfolg und Karriere nicht auf der Strecke bleiben darf.

3.) Glaubst du, dass in Deutschland Abschlüsse immer noch den selben Stellenwert haben wie vor 10 Jahren? 

Ebenso wie im Bereich Arbeitszeugnisse sehe ich einen Rückgang in der Priorität von perfekten Noten. Wichtiger ist es, zu sehen, ob jemand sich dahinterklemmt, etwas zu schaffen, bereit ist, viele Erfahrungen zu sammeln (Praktika, Auslandssemester, soziales Jahr etc). Das alles kann eine nicht so überragende Note locker ausgleichen.

4.) Worauf achtest du bei Kandidaten, wenn du jemanden einstellen willst? Welche Eigenschaften über die fachlichen Skills hinaus muss die Person für dich mitbringen?

-> Mein Fokus liegt zum größten Teil jenseits des Fachlichen. Fachliches lässt sich lernen, die Themen, mit der die Person sich in 2-3 Jahren beschäftigen wird, werden sowieso andere sein, als die, die er/sie gerade beherrscht. Für mich sind die richtige Motivation, Energie, Teamgeist, Offenheit und der Wille entscheidend. Dazu sollte sie in der Lage sein, nicht nur die Detailebene, sondern das Große Ganze zu sehen und verstehen, sich ständig weiterentwickeln, offen sein für Neues und einfach ein Mensch sein, mit dem ich gerne zusammenarbeiten will. Ich schätze Menschen mit Mut, die auch mal widersprechen und ihren Standpunkt vertreten, denn sie sind meine Quelle, um mich selbst weiterzuentwickeln.

5.) Welche Softskills werden deiner Meinung in Zukunft am meisten benötigt? 

Die Zukunft wird in meinen Augen agil. Die Fähigkeit, sich den Änderungen des (Berufs-)Lebens anzupassen, ständig weiter zu lernen, Rückschläge als Möglichkeit der Weiterentwicklung nutzen werden im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung immer wichtiger.

6.) Wenn du unser Bildungssystem anpassen dürftest, was würdest du ändern?

Ich würde mehr Praxis in den Lernalltag mit einbringen. Zum Einen weiß ich zwar zu schätzen, dass die Schüler heute immer näher an das Thema „Digital“ herangeführt werden und Technologie ein elementarer Bestandteil der Lernmethoden wird. Zum Anderen befürchte ich dennoch, dass dadurch die praktische Handhabung und Übung, insbesondere im Team, auf der Strecke bleiben wird. Daher würde ich schon sehr früh Praktika und praktische Übungen mit einfließen lassen.

7.) Gibt es einen Bereich, den unser Schulsystem nicht ausreichend abdeckt bzw. den du gerne dem Lehrplan hinzufügen würdest?

Ein Fach „Realität“ wäre in meinen Augen hilfreich. Was mache ich mit dem vielen Wissen, dass ich mir aneigne? Wofür lerne ich das überhaupt? Wie kann ich daraus eine Zukunft bauen, „wettbewerbsfähig“ sein und wirklich Beitrag leisten? Angefangen von „wie bewerbe ich mich richtig“ über Teambuildingmaßnahmen zur Steigerung der Teamkompetenzen, Methoden der Zusammenarbeit (auch digital), insbesondere aber das Zusammensetzen des Wissens in ein „Big Picture“ mit Ableitung von praktischen Maßnahmen.

8.) Wie können wir uns auf die Digitalisierung vorbereiten bzw. sie in Sachen Schulbildung für uns nutzen?

Erste Schritte dazu sind ja bereits erkennbar, die Kinder lernen früh, mit dem Laptop umzugehen, bekommen Hausaufgaben per Email geschickt. 
Die wichtigste Vorbereitung stellt in meinen Augen dar, die Angst vor der Digitalisierung und den Veränderungen zu nehmen und diese als Chancen zu erkennen.

9.) Aktuell werden viele Kinder von zu Hause aus unterrichtet. Was denkst du über das Modell eines digitalen Klassenzimmers? 

An meiner Nichte sehe ich, dass das Modell aktuell unterschiedlich gut angenommen wird und auch nicht für jedes Kind gleich funktioniert. Viele Kinder benötigen persönliche Betreuung und den sozialen Kontakt, während andere die größere Freiheit und Chance zur Selbständigkeit genießen. Ich denke, die Lösung wird eine Mischform bleiben müssen, damit niemand auf der Strecke bleibt und jeder gemäß seiner Fähigkeiten und Vorlieben gefördert wird.

10.) Welches Startalter für Kinder empfindest du als angemessen im Umgang mit digitalen Medien?

Ich bin ein Gegner der Smartphones für 6-Jährige. Zwar schadet es nicht, wenn die Kinder wissen, wie man ein Telefon benutzt, jedoch bezahlen diese Kinder in meinen Augen mit einer unbeschwerten Jugend im Freien. 
Der Eintritt in die weiterbildenden Schulen, also zwischen 10 und 12, ist in meinen Augen ein Zeitpunkt, an dem ein Kind digitale Medien begrenzt nutzen sollte. Das Konzept des „digitalen Klassenzimmers“ wiederum erfordert in meinen Augen viel Selbstverantwortung, Disziplin und Konzentration und sollte daher älteren Schülern vorbehalten sein.

11.) Hattest/ Hast du einen Mentor/in? 

Nein, dieses Glück hatte ich leider nicht.

12.) Falls ja, hat er/ sie dir in beruflichen Fragen weiterhelfen können?

Ich hätte mir sehr gewünscht, jemanden zu haben, der mir helfen kann, meine Optionen zu entdecken und die bestmögliche für mich herauszufinden. Inzwischen bin ich selbst soweit, musste jedoch den Weg über einige Irrwege und Umleitungen finden.

13.) Wir glauben an das Prinzip des lebenslangen Lernens. Welchen Tipp hast du für uns dazu?

 Chancen statt Herausforderungen sehen, immer auf dem Laufenden bleiben über die aktuellen Entwicklungen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Über den Tellerrand hinausblicken um zu sehen, ob noch andere spannende Speisen auf dem Tisch angeboten werden. Keine Scheu haben, von der grünen Wiese neu zu starten.

14.) Welchen Rat würdest du deinem 20-jährigen Ich heute geben?

Mein 20-jähriges Ich hat schon viel richtig gemacht, insbesondere auf seine Stärke und Beharrlichkeit bin ich stolz. Dennoch lief auch vieles schief. Ich denke, ich würde meinem Ich raten, sich nicht zu viel durch Andere oder äußere Umstände zu Entscheidungen drängen zu lassen, sondern mehr auf sein Herz zu hören.