Daniel Jelis ist Head of Sales Europe bei dem Nürnberger Virtual Reality Startup SPREE Interactive. Er ist Marketingfachmann und sehr Technik affin. In seiner Karriere hat er bereits viele Branchen kennen gelernt und bringt einiges an Erfahrung mit.

Wir wollten mehr über Daniel und seinen Werdegang, seine Meinung zu unserem Bildungssystem und welchen Rat er seinem jüngeren Ich heute geben würde, erfahren.

„Never stop learning. Das Leben ist da, um neues zu (er)lernen“

Daniel Jelis

1.) Erzähl uns doch einmal kurz ein paar Sätze über dich und deinen Werdegang.

Ich habe mit einem Bachelor of Arts in Kommunikationswissenschaften angefangen und mich kurz nach meinem Abschluss und erster Berufserfahrung für einen Master, ebenfalls in Kommunikationswissenschaften entschieden. Ich bin seit mittlerweile 2011 in den Bereichen Marketing und PR tätig (mit Gigs bei Firmen wie Kaspersky, Optimizely, IDnow und Oracle) und entwickle mich stets weiter und erkunde neue Fachbereiche (wie kürzlich z.B. Sales).

2.) Ab wann wusstest du welchen Beruf du später einmal wählen möchtest?

Kurz nach meinem Schulabschluss, als ich mich nach Studiengängen umgesehen habe, hat es bei Kommunikation einfach „Klick“ gemacht. Die Öffentlichkeitsarbeit hat mich besonders fasziniert und somit war nach nur zwei, drei Monaten Bedenkzeit alles klar für mich.

3.) Welche Rolle spielt eine gute Schulbildung für dich?

Ich denke, dass sie die Grundpfeiler legt und den Einstieg in die Hands-On Bildung legt. Das theoretische Wissen, welches man mit guter Schulbildung erhält, ist unabdinglich, um möglichst sauber in einen gewünschten Beruf einsteigen zu können.

4.) Glaubst du, dass in Deutschland Abschlüsse immer noch denselben Stellenwert haben wie vor 10 Jahren?

Ich denke, sie sind mittlerweile sogar noch ein Stück weit relevanter geworden. Gerade bei Einstellungsgesprächen wird großes Augenmerk auf die schulische Laufbahn sowie die erworbenen Abschlüsse gelegt. Oftmals habe ich den Eindruck erhalten, dass weiche Faktoren im Hiring hinter einem Abschluss stehen und teilweise überhaupt nicht berücksichtigt werden.

5.) Wenn du unser Bildungssystem anpassen dürftest, was würdest du ändern?

Ich denke, die Einstiegshürden müssen noch weiter gesenkt werden. In den letzten Jahren sind wichtige Schritte passiert (wie beispielsweise das Verbot eines NC), jedoch wird es gerade sozial Schwachen Gruppen noch immer enorm schwer gemacht, in unser Bildungssystem einzusteigen und auch dort drin zu bleiben. Wir brauchen mehr Aufklärung, Mentoren sowie Ambassadors, welche der Jugend wieder Spaß am Lernen vermitteln.

6.) Wie können wir uns auf die Digitalisierung vorbereiten bzw. sie in Sachen Schulbildung für uns nutzen?

Digitalisierung ist gerade in Deutschland ein rotes Tuch. Jeder spricht davon, am Ende ist es aber nur ein Buzzword. Wir müssen endlich anfangen, die Digitalisierung zu leben: Digitale Prozesse so sicher integrieren, dass sie physische ohne Bedenken ersetzen können. Ich kann beispielsweise ein Bankkonto eröffnen, ohne das Haus zu verlassen. Zum Wählen muss ich jedoch auf Briefwahl zurückgreifen oder aber persönlich vorstellig werden. Da ist eine Diskrepanz, welche ich nicht verstehen kann. In der Bildung werden zuletzt sehr wichtige Schritte unternommen, zum Beispiel durch die Corona-Krise wird nun das Mebis-Portal großflächig angewendet. Wenn ich mir aber den Lehrplan ansehe und an meine eigene Schulzeit zurückdenke, werden neben der IT als Schulfach und ein paar Präsentationen hier und da kaum digitale Vorgehensweisen verwendet. Aus Ländern wie den USA kenne ich Schulen, welche mit Laptops und iPads den Unterricht interaktiv und anschaulich gestalten. Dies fehlt hier in Deutschland massiv.

7.) Welches Startalter für Kinder empfindest du als angemessen im Umgang mit digitalen Medien?

Nachdem digitale Medien zu unserem Alltag gehören, sehe ich keine Notwendigkeit, ein Startalter zu bestimmen. Die meisten nach 2005 geborenen Kinder wachsen direkt mit Tablets, Smartphones und anderen Medien auf und lernen so bereits von klein auf, wie diese zu bedienen sind. Es ist wichtig, dass keine Barrieren gebildet und die Fülle an Möglichkeiten auch ausgeschöpft werden.

Digitalisierung bringt nicht nur Vorteile

8.) Die Digitalisierung bringt viele Vorteile für unsere Gesellschaft und die Art wie wir Wissen weitergeben können. Welche Gefahren siehst du?

Durch die Digitalisierung entstehen neue, alte Probleme. Identitätsdiebstahl beispielsweise wird, wenn unzureichende Sicherheit vorhanden ist, zu einer leichten Angelegenheit. Das hängt meiner Meinung nach nicht zuletzt damit zusammen, dass Menschen sich digital schnell zu sicher fühlen. Hier ist Aufklärung enorm wichtig, sodass persönliche Daten wie Login-Daten, Kontodaten sowie die eigene Identität abgesichert ist.

9.) Hattest/ Hast du einen Mentor/in?

Ich habe während meines Studiums einen Mentor gehabt. Das hat mich enorm vorangebracht und ich bin ihm bis heute sehr dankbar dafür, dass er viele Emails und Stunden in unsere Beziehung investiert hat.

10.) Falls ja, hat er/ sie dir in beruflichen Fragen weiterhelfen können?

Er hat mir enorm in beruflichen Fragen helfen können, da ich eine sehr ähnliche Richtung wie er eingeschlagen habe. Auch heute, falls ich vor einer neuen Herausforderung stehe, bitte ich ihn gerne um Rat.

11.) Wir glauben an das Prinzip des lebenslangen Lernens. Welchen Tipp hast du für uns dazu?

Never stop learning! Das Leben ist da, um neues zu (er)lernen. Nicht nur die meisten Berufe entwickeln sich rasant weiter, auch persönlich sollte man stets versuchen, jeden Tag ein Stück voranzukommen.

12.) Welchen Rat würdest du deinem 20-jährigen Ich heute geben?  

Nutze deine Möglichkeiten. Die Zeit zwischen der fortbildenden Schule und dem Einstieg in die Berufswelt ist entscheidend. Manchmal muss man Abstriche machen, sich in die Bildung investieren und die Zähne zusammenbeißen. Rückblickend wird man es nicht bereuen und erspart sich so einen unnötig langen Weg.