Interview Bild Britta Daffner

Britta ist Department Head AI & Data Science. Digitalisierung steht bei ihrem Job an oberster Stelle. Welche Gedanken sie zu unserem Bildungssystem, zum Thema Digitalisierung in Schulen und zu Mentoring hat, wollten wir einmal genauer wissen.

„Good is better than perfect. Probiere alles aus, was dich interessiert.“

Britta Daffner

1.) Wie gut ist das deutsche Bildungssystem im Vergleich zum europäischen Wettbewerb? 

Ich glaube wir liegen da im Mittelfeld. Es gibt einige Länder die es deutlich besser hinbekommen wie zum Beispiel Finnland (gilt ja in vielen Sachen als Positivbeispiel, hat aber auch ganz andere Voraussetzungen), aber auch einige die hinter uns liegen. Wir liegen zB. mit der Digitalisierung ziemlich weit hinten und was das Thema Inklusion angeht, gelingt es uns auch nicht besonders gut.

2.) Welche Rolle spielen Eltern bei der (Aus)- Bildung ihrer Kinder?

Ich denke das Wissen fürs Leben kann man nicht in einer Bildungseinrichtung lernen. Was die Schule macht ist eine Grundausbildung zur Verfügung zu stellen. Dr. Gerald Hüther sagte in einem Interview: „Was kann den Schule wirklich? Bildung für ein gelingendes Leben lernt man nicht in der Schule, das kann man nur im Leben lernen. Es ist daher keine Bildungseinrichtung. Was bleibt dann übrig? 1) Ausbildung. 2) Aufbewahrung. Schule ist ein Ort an dem Kinder verlässlich aufbewahrt werden (Stichwort „Verlässliche Grundschule“). Und 3) Selektion in weiterführene Systeme.“ 
Das können wir mögen oder nicht mögen, aber dass bringt für mich die Rolle der Eltern bei der Aus- und Weiterbildung ist eine ganz andere, essentielle Verantwortung. 


3.) Ist unser Schulsystem noch zeitgemäß?

Unser „deutsches“ Schulsystem ist eigentlich ein preußisches Schulsystem. Sinn und Zweck dieser Einrichtung war es Fleißige Arbeiter und getreue Soldaten für den preußische König Friedrich Wilhelm I zu entwickeln. Doch unsere (Arbeits-)Welt von heute benötigte andere Kompetenzen. Wer heute nicht querdenken, selbständig und kreativ sein kann, der geht in unserer Arbeitswelt schnell unter. Maschinen übernehmen heute bereits einen Großteil von Routineaufgaben und ich behaupte, dass 50% der Tätigikeiten automatisiert werden könnten. Das führt dazu, dass immer mehr flexible, kreative Köpfe gebraucht werden. In einer schnelllebigen Zeit, in der wir gar nicht wissen, auf welche Anforderungen und Fähigkeiten wir unsere Kinder in 15 Jahren eigentlich vorbereiten, sind Mitdenken, Flexibilität, Innovation und Kreativität gefragt. Auch soziale Fähigkeiten, Empathie und psychologische Skills werden wichtiger denn je. 

4.) Kinder haben bereits in manchen Schulen in der dritten Klasse Unterricht mit iPads. Ist das der richtige Weg, um Digitalisierung in Schulen zu etablieren? 

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch Digitalisierung rein auf den Umgang mit iPad zu reduzieren ist zu wenig. Fächer wie IT Infrastrukturen, Programmierung, Daten Analysen oder auch der Umgang mit Daten sollten meiner Meinung nach intensiviert werden. Vor einigen Jahren als ich selbst noch im Bachelor Studium war, hatten wir als Projektarbeit 2 Wochen lang einer Grundschulklasse das Programmieren mit Lego Mindstorm Robotern beigebracht. Die Kinder haben einen eigenen Roboter gebaut und programmiert. Mit solchen Möglichkeiten können Schüler bereits sehr früh spielerisch in die Thematik eingeführt werden. 

5.) Sind digitale Klassenzimmer für dich ein vorstellbares Modell? 

Ich finde es wichtig, dass Kinder Sozialkompetenzen lernen, Freundschaften schließen aber auch lernen, mit Konflikten umzugehen. Daher begrüße ich schon auch das Konzept einer „normalen“, physischen Schule. Doch lässt sich das Modell wunderbar mit digitalen Klassenzimmern kombinieren und flexibler gestalten. Zum Beispiel dass Kinder nicht immer physisch anwesend sein müssen, dass man bestimmte Kurse digital abhält usw.  

6.) Müssen wir lernen anders zu lernen als bisher? 

Ich bin kein Psychologe. Soweit ich weiß lernen wir am besten wenn Menschen Begeisterung erfahren und dabei emotionale Zentren aktivieren. Diese Begeisterung öffnet einen „Entdecker-Geist“ und wir beginnen uns für unsere Umwelt zu interessieren. Heute lernen Kinder vor allem durch Bestrafung und Begeisterung. Und nicht aus sich selbst heraus. Dabei erschließt sich für mich, dass Lernen auf die Neugierde und den natürlichen Gestaltungswunsch von Kinder aufsetzen sollte.  

Mentoring als sinnvolle Ergänzung

7.) Welchen Mehrwert bietet Mentoring jungen Menschen?

Vorallem in Fällen, in denen Eltern nicht als „Mentoren“ dienen können ist das sicherlich sinnvoll.  

8.) Hattest/ Hast du selbst einen Mentor/in?

Das kommt darauf an, wie wir Mentoren definieren. Meine Eltern und meine große Schwester waren im frühen Kindesalter sicherlich meine Mentoren. Auch hatte ich ein paar tolle Lehrer die mich stark geprägt haben. Auch Bücher, Zeitschriften oder Informationsveranstaltungen waren im Grunde Mentoren für mich. Ich denke überall in unserem Alltag und Leben finden wir eine Art von „Mentoren“. 
In den letzten Jahren und mit dem Fortschreiten meiner Karriere habe ich mich dann auch im Unternehmenskontext bewusst für Mentoren entschieden, mit denen ich mich regelmäßig austausche. 

9.) Welche Faktoren sind für dich entscheidend für einen erfolgreichen Berufseinstieg?

Ein starker, innerer Antrieb, Begeisterung und Eigenmotivation. Damit kann man alles erreichen.  


10.) Wenn du einen Rat an dein 16 Jahre altes Ich hättest, welcher wäre das?

Good is better than perfect. Probiere alles aus was dich interessiert.